Dr. Rudolf Krebs über Volkswagens elektronische Mobilitätsstrategie.

Dr. Rudolf Krebs ist generalbevollmächtigter Leiter Elektro-Traktion im Volkswagenkonzern.

Ist es Ihr Ziel das Automobilgeschäft zukünftig nur noch auf Elektrofahrzeuge auszurichten?

Wir werden in den nächsten Dekaden eine Koexistenz von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, alternativen Antrieben, Hybrid-, Plug-In-Hybrid- und reinem Elektro-Antrieb sehen. Daher verfolgen wir konsequent die weitere Optimierung unserer hocheffizienten TDI-, TSI- und TFSI-Motoren sowie der DSG-Getriebe. Ein zweites Standbein sind Erdgas-Fahrzeuge in Verbindung mit zukünftigen Biokraftstoffen.

 

Was bedeutet das für zukünftige Mitarbeiter in Entwicklung und Forschung – also die Studierenden von heute?

Aktuell beobachten wir am Arbeitsmarkt, dass die Experten für Batterietechnologien sehr rar sind. Aus diesem Grund wünschen wir uns als Arbeitsgeber natürlich sehr, dass die Universitäten und Fachhochschulen ihr Studienangebot in diesem Ingenieursbereich weiter ausbauen. Aber auch Softwareingenieure werden in den nächsten Jahren weiterhin sehr gefragt sein.

 

Das erste Elektrofahrzeug gibt es seit 1888. Warum werden erst jetzt die Stimmen nach Elektrofahrzeugen laut?

Weltweit beobachten wir seit einigen Jahren Megatrends, die die Entwicklung von alternativen Antrieben forcieren. Diese sind 1. der Klimawandel und einhergehend das Ziel, CO2-Emissionen zu reduzieren, 2. Die Endlichkeit fossiler Rohstoffe sowie 3. Luftverschmutzung und Lärm insbesondere in den Städten zu reduzieren. Aufgrund der damals verfügbaren Batterietechnologie war es aber nicht möglich, das Elektrofahrzeug über eine Nische hinaus am Markt zu etablieren. Mit Einführung der Lithium-Ionen-Technologie wird dies nun möglich.

 

Wie hoch ist die Lebenserwartung der Lithium-Ionen-Batterien und mit wie langen Akkuladezeiten hat der Verbraucher zu rechnen?

Wir haben den Anspruch, dass unsere Batterie selbst nach zehn Jahren Alltagsnutzung im Fahrzeug noch 80 Prozent ihrer Kapazität hat. Beim Laden mit normalem Haushaltsstrom (3,3 kW) rechnen wir mit Ladezeiten von 6-8 Stunden, beim dreiphasigen Laden mit 10 kW liegt die Dauer bei drei bis vier Stunden. Wird Gleichstrom verwendet (DC-Laden mit 50 kW), dann wird die Fahrzeugbatterie innerhalb von ca. 20 bis 30 Minuten wieder geladen.

 

Nimmt der Fahrspaß und -komfort nicht ebenso ab wie der Energieverbrauch des Elektrofahrzeugs?

Das reine Elektrofahrzeug ist das ideale Fahrzeug für Stadt- und Pendelverkehr in Ballungsräumen. Es wird also vorwiegend in Geschwindigkeitsbereichen von bis zu 70 Stundenkilometer bewegt beziehungsweise auf Stadtautobahnen mit 100 Stundenkilometern. Hier macht das Fahren mit einem Elektrofahrzeug gerade deswegen sehr viel Spaß, weil das Elektrofahrzeug im Gegensatz zu verbrennungsmotorisch angetriebenen Fahrzeugen bereits beim Anfahren über das volle Drehmoment verfügt. Beim Golf Blue-e-Motion sind das 270 Nm – damit hängen sie an der Ampel erst mal jeden ab.

 

Rentiert sich ein Elektrofahrzeug auch dann noch für den Verbraucher, wenn die Strompreise weiter ansteigen? 

Beispielsweise bei einer Verdopplung der Energiekosten wird der Vorteil eines Elektrofahrzeugs erst richtig sichtbar! Denn die Kosten für fossile Kraftstoffe werden dementsprechend mit ansteigen, so dass die Differenz zwischen Strom- und Kraftstoffpreis noch größer wird. Elektrofahrzeuge werden dann für den Verbraucher interessant, weil der Kunde seine tägliche Mobilität wesentlich kostengünstiger realisieren kann.

 

2020 sollen laut des Nationalen Entwicklungsplans der Elektromobilität der Bundesregierung eine Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen rollen, ist das realistisch?

Die Zahl von einer Million E-Fahrzeuge halten wir für durchaus realistisch, jedoch unter Vorbehalt, dass alle empfohlenen Maßnahmen der NPE bis dahin auch umgesetzt sind. Für Elektrofahrzeuge (reine Elektrofahrzeuge und Plug-In Hybride) rechnen wir daher im Jahr 2020 weiterhin mit einem Marktanteil bei den Neuzulassungen von etwa 3 Prozent. Bis 2020 hat Volkswagen das Ziel, das Elektroauto für alle anzubieten: alltagstauglich, sicher und bezahlbar.

Auf der „E-Mobility-Station“ in Wolfsburg (Braunschweiger Straße) haben wir in einer Ausstellung und diversen Außenanlagen diese E-Mobilitätsstrategie in ihren Komponenten abgebildet. Für Interessierte bietet die Autostadt kostenfrei eine Probefahrt mit den 15 Golf Blue-e-Motion in Wolfsburg an.#

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